Sound Design & Sound Art

Travel where you live

Making-Of “Travel where you live” Clip – Sound Design

Making-Of. Seit Oktober durfte ich an einem, für mich persönlich sehr tollem, Projekt mitwirken. Da ich mit Herz und Seele Sachse bin, war ich von Anfang an sehr von Sebastian Lindas neuem Film angetan. Der Film “Travel where you live” ist ein vollgepackter Clip, welcher die schönsten Seiten von Sachsen zeigt. Er möchte zeigen, dass das Abenteuer vor der Haustür liegt und es manchmal nur eine Sache der Perspektive ist um Neues im Alten zu entdecken. Ich hatte die Ehre die komplette Tongestaltung zu übernehmen und dieses Projekt bat die Möglichkeit komplett frei mit Ton zu spielen und den Clip mit einem gelungenen Sound Design zu bereichern.
Heute ist der Clip online gegangen. Ihr findet ihn auf dem Vimeo-Kanal von Sebastian.

 

Zur heutigen Veröffentlichung schließt sich ein kleines Making-of von mir an, wie ich an dem Projekt gearbeitet und welcher Software/Technik ich mich bedient habe.

Als mir Sebastian die den ersten Schnitt des Clips geschickt hat, war die “einzige” Tonebene die Musik von Tony Anderson mit dem Titel „Dwell“. Die emotionale packende Musik gepaart mit den epischen großen Bildern erfordern auch ein passendes großes Sound Design. Sebastian und ich haben uns nach einer Weile sehr gut angenähert, denn wir beide haben ein Faible für packende Klänge. Um diese packenden Sounds präsent im Clip zu positionieren und um die Größe akustisch darzustellen, habe ich mich entschieden, dass Sound Design verhältnismäßig laut zu mischen, damit es sich somit auch gut gegenüber der Musik durchsetzt. Das ist auch die Besonderheit an dieser Tongestaltung. Meistens ist das Sound Design leider eher im Hintergrund gemischt. Bei “Travel where you live” ist es sehr präsent und intensiv. Des weiteren habe ich viele Klänge über einander geschichtet.

Ich bin sehr frei an das Video rangegangen. Ich habe es mir zuerst ein paar Mal angeschaut und mir ein paar kleine Notizen gemacht, wo welcher Sound passen könnte. Bei mir ist es meistens so, dass meine spontanen Ideen die besten und passendsten sind. Um so länger ich an einer Stelle arbeite um so mehr habe ich das Gefühl, dass es nicht unbedingt besser wird. Daher setzte ich sofort erst mal meine erste Idee um. Nach einer Weile habe ich dann Sebastian den ersten Vorschlag geschickt und mithilfe dieser Grundlage haben wir weiter gearbeitet und Ideen ausgetauscht. Sebastian hat nicht nur ein gutes Auge für epische Bilder und Kamera-Blickwinkel, sondern achtet besonders auf den Ton. Das gefällt mir als Tonmensch umso mehr, da wir uns gut verständigen konnten und es zu jedem Sound immer eine Meinung gab. Wir waren uns vor allem einig, dass die Sounds gepaart mit der Musik die Emotionen tragen und zugleich die Dynamik des Clips erhöhen sollen. Somit beschreiben die Sounds nicht nur Bewegungen und Räume sondern vermitteln das Gefühl der Freiheit, Mystik und Größe.

Da der Schnitt eine hohe Komplexität aufweist galt es auch eine vielschichtige Ton-Ebene zu schaffen. Teils habe ich bis zu 5-6 Sounds in einer einzigen Szene verbaut. Gerade zu Anfang, bei der Szene in der Sächsischen Schweiz (Titelbild meins Beitrages), liegen drei Synth-Sounds über einander und zahlreiche unterschiedliche Whooshes. Die Synthesizer habe ich in der Tonart des Liedes eingespielt, somit fallen sie nicht im Vordergrund auf, es wirkt eher so, dass als ob diese ein Teil der Musik sind, bringen aber einen großen emotionalen Moment für diese Stelle mit sich. Die Whooshes sorgen für den nötigen Auftrieb, Bewegung und Dynamik.

Apropos Dynamik. In der Regel verläuft die Post-Produktion eines Filmes so, dass zuerst der finale Schnitt fertig ist, bevor es an den Ton geht. In unseren Fall passierte beides gleichzeitig. Sebastian hatte am Anfang einen Rohschnitt, welchen er mir als Arbeitsgrundlage gab. An diesem habe ich dann den ersten Ton-Vorschlag erarbeitet. Später hat er den Schnitt verfeinert und ich parallel dazu den Ton. In diesem Fall war es eine perfekte Arbeitsweise, denn so haben wir beide das Projekt auf zwei verschiedenen Ebenen entwickelt, die sich gegenseitig immer wieder beeinflussten. In den letzten Tagen war es sogar so, dass ich Sebastian einen neueren Sound-Vorschlag geschickt habe und er viele Schnitt und Szenen extrem darauf angepasst hat. Als Übergang zwischen einzelnen Szenen habe ich zahlreiche Whooshes und Impacts verwendet. Sebastian hat diese akustischen Elemente genutzt und extreme Bewegungen und Zoom genau an diesen Stellen eingebaut, um das Potenzial dieser akustischen Elemente auszuschöpfen und die Dynamik noch weiter zu erhöhen. Meist formt der Schnitt die Tongestaltung, bei diesem Projekt aber hat die Tongestaltung auch maßgeblich den Schnitt beeinflusst.

Die Sounds habe ich aus ganz unterschiedlichen Quellen herausgesucht. Teils habe ich Sounds gekauft, selbst aufgenommen, stark verfremdet oder auch mit Synthesizern erzeugt. Als Synthesizer kam hier vor allem Absynth von Native Instruments zum Einsatz, der mit seinen mystischen Sounds genau richtig für das Projekt war. Mir war es wichtig viele organische Klänge zu verwenden. Für den nötigen Punch sorgen aber auch synthetische Klänge und gerade bei den epischen Momenten erzeugt die Mischung aus Aufnahmen und Synth-Klänge die nötige Mystik. Gerade für die Impacts eignen sich elektronische Drums mit einer dichten Hallfahne gut. Diese Drums lassen sich dann auch gut rückwärts abspielen und so wiederum mit anderen Klänge oder Effekte kombinieren. Ich durfte meiner Kreativität freien Lauf lassen, denn die Tongestaltung in “Travel where you live” lebt genau von diesen zahlreichen, kleinen Sound-Elementen.

Als DAW habe ich zuerst Ableton Live Suite 9 verwendet. Ich nutze Live schon seit 2008 und es ist für mich noch immer eine tolle Umgebung bei der Arbeit mit Soundpartikeln und Musik. Ich kann damit extrem schnell einen Klang verformen, pitchen, effektieren und aufnehmen. Ich finde das System immer noch sehr gelungen, jedoch beinhaltet es auch einige Schwächen die mir während dieser Bearbeitungs-Phase aufgefallen sind. Als erstes habe ich bemerkt, dass in Live das Hinzufügen einer bestimmten Anzahl von Ton-Spuren eine Verzögerung der Videospur zur Folge hat. Ich habe die Videospur eingefügt und hatte ca. 80 Spuren. Dadurch wurde das Video versetzt zum Ton abgespielt, was das Arbeiten unmöglich machte. Hinzu kommt, dass Live ziemlich in dem Schema von Takten festhängt, da es ursprünglich ja für Musikproduktion ausgelegt ist. Das Verschieben eines Ton auf der Timeline außerhalb des Takte-, Zahlzeichen-Schemas ist für mich gefühlt nicht so schnell möglich wie in Nuendo oder ProTools. Ein anderer Nachteil von Live im Bezug auf Sound Design von Filmen besteht darin, dass bei Live keine Clip Effekte, wie bei Nuendo oder ProTools via Audiosuite möglich sind. Hier sind nur Spur-Effekte möglich.

Ableton Live - Arrangement

Ableton Live – Arrangement

Nach all diesen kleinen Problemen mit Live habe ich mich entschieden die Arbeitsumgebung zu wechseln (auch wenn es mir schwer fiel, da ich Ableton sonst sehr schätze). Ich habe mir alle Elemente als Stems (Musik, Sprache, Sound Design) exportiert und habe alles wieder in ProTools 11 importiert. ProTools bietet für mich wesentliche Vorteile gegenüber Live im Bereich Video-PostProduction. Ich kann damit erheblich schneller Clips auf der Timeline verschieben, faden und den jeweiligen Clip-Gain anpassen. Außerdem hat ProTools eine große Auswahl an AudioSuite Plugins, die ich auf jeden einzelnen Clip anwenden kann. Ein Nachteil ist für mich, dass es bei ProTools für mich schwieriger war Parameter wie Tonhöhe oder auch Clip-Länge und Timestrech zu ändern. Das geht in Live für mich sehr viel schneller.

ProTools - Travel where you live

ProTools – Travel where you live

Die Sprache stammt von Sebastian selbst. Wir haben das in dem gemeinsamen Studio von Nathanael und mir (natom productions) aufgenommen. Zum Einsatz kamen dabei ein Microtech Gefell M 950, SPL Channel One, RME Fireface und Steinberg Nuendo als Plattform.

Für alle Tech-Interessierten ist hier noch eine kleine Auswahl, was so an Gerätschaften verwendet wurde:

  • Apple MacBook Pro
  • Ableton Live 9, Steinberg Nuendo 5.5, Avid Pro Tools 11, Adobe Audition 5.5
  • Intensity Extrem Thunderbold als Videokarte per HDMI an einem Samsung 40″ Fernseher
  • RME Fireface UC
  • Zoom H6
  • Fostex und Tannoy Reveal Active Monitoren
  • diverse Plug-Ins u.a. von Softube und Slate Digital

 

Das war ein kleiner Einblick hinter die Kulissen des Sound Designs von “Travel where you live”. Ich werde auch für die kommenden Projekte versuchen möglichst viele Making-ofs zu schreiben . Ich hoffe ihr hattet viel Spaß beim Lesen, über euer Feedback würde ich mich sehr freuen!

 

Credits

Regie/Kamera/Schnitt: Sebastian Linda
2. Kamera/Assistenz/Grading: Steffen Krones

6 Comments

  • Wiebe Says

    Hi,

    I love the video and the sound effects. I was wondering where did you find the fast forward/ speed-up/ windy sound effects?

    I see them on more videos lately and I want to play with it too but i cant find them.

    Thanks!

  • bonystoev Says

    Hi Wiebe!

    Thank you for comment! I used different stuff to make this speed-up sounds. Sometimes I used very long whoosh sounds and combine them with reverb effects. I used reverse crash sounds, but only the “tail” sound as reverse effect. Also with a big reverb on it. In this case you can effect wind recordings. Automate the speed of the samples and fade them. The results are great!

    All the best,
    Bony

  • Ein großes Kompliment von uns (dem Team von sachsenshirts.eu), das Video inkl. der Musik ist ein wundervolles Werk!

    Ein klares dickes LIKE von uns! Macht weiter so :o)

    Manuel

  • Moin Manuel!

    Vielen Dank für das tolle Lob! Ich richte es Sebastian aus 😉

    Es wird noch weitere Projekte in Zukunft geben.

    Beste Grüße an dich und das Team,
    Bony

  • Awesome work Bony. I really enjoyed that. The background noises of laughter and subtle birds singing are incredible!

  • Hi Greg!

    Thanks, nice to read that you like it. Good luck for your project with Dave.

    Cheers,
    Bony

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